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Einspeisevergütung oder Eigenverbrauch: was bringt mehr?

Warum selbst verbrauchter Solarstrom fast immer mehr wert ist als eingespeister, wie Sie Ihren Eigenverbrauchsanteil abschätzen und was Länder zahlen.

StromtarifeVeröffentlicht

Selbst verbrauchter Solarstrom ist fast immer mehr wert als eingespeister. Jede Kilowattstunde, die Sie im Haushalt nutzen, ersetzt eine, die Sie sonst zum vollen Arbeitspreis inklusive Netzentgelten, Steuern und Abgaben kaufen würden. Für eingespeisten Strom gibt es dagegen deutlich weniger, bei Balkonkraftwerken in Deutschland in der Regel gar nichts. Stand: Oktober 2026.

Die einfache Formel

Die jährliche Ersparnis setzt sich aus zwei Teilen zusammen:

Ersparnis = (selbst verbrauchte kWh × Arbeitspreis) + (eingespeiste kWh × Vergütung)

Der Arbeitspreis ist der Preis je Kilowattstunde in Ihrem Tarif, ohne Grundpreis. Die Vergütung ist das, was Sie je eingespeister Kilowattstunde erhalten, beim typischen Balkonkraftwerk null.

Rechenbeispiel mit angenommenen Werten

Die Zahlen sind bewusst rund und dienen nur der Veranschaulichung, es sind keine Marktpreise. Ihre eigenen Werte tragen Sie im Rechner für Ertrag und Amortisation ein.

Annahme Wert
Jahresertrag 700 kWh
Eigenverbrauchsanteil 50 % (350 kWh)
Arbeitspreis 30 ct/kWh
Vergütung 0 ct/kWh
  • Selbst verbraucht: 350 kWh × 30 ct = 105 Euro.
  • Eingespeist: 350 kWh × 0 ct = 0 Euro.

Steigt der Eigenverbrauchsanteil auf 70 %, wächst die Ersparnis bei sonst gleichen Annahmen auf 147 Euro. Kein Einspeisemodell könnte diesen Unterschied ausgleichen.

Was den Eigenverbrauchsanteil bestimmt

Grundlast. Der Strom, den Ihr Haushalt ständig zieht: Kühlschrank, Gefrierschrank, Router, Standby-Geräte, eventuell eine Lüftungsanlage. Liefert das Balkonkraftwerk mittags kaum mehr als die Grundlast, bleibt fast nichts übrig. Ein Messgerät an der Steckdose oder die Nachtwerte eines Smart Meters geben eine erste Schätzung.

Anlagengröße. Je größer die Anlage im Verhältnis zum Tagesverbrauch, desto mehr fließt ins Netz. Deshalb erreicht ein 800-W-Set oft einen höheren Anteil als eine große Dachanlage im selben Haushalt.

Anwesenheit. Wer im Homeoffice arbeitet oder Geräte tagsüber laufen lässt, nutzt mehr Solarstrom direkt.

Speicher und Flexibilität. Ein Speicher verschiebt den Überschuss in den Abend; ein dynamischer Tarif belohnt verschobenen Verbrauch. Mehr dazu unter Balkonkraftwerk mit Speicher und dynamische Stromtarife.

Vergütungsmodelle im Ländervergleich

Land Modell Bedeutung für kleine Anlagen
Deutschland EEG-Vergütung Balkonkraftwerke erhalten in der Praxis meist nichts
Österreich Abnahmevertrag mit Zählpunkt möglich, bei 800 W selten lohnend
Schweiz Rückliefervergütung des Netzbetreibers je nach Gemeinde sehr unterschiedlich
Niederlande Saldierung endet am 1. Januar 2027
Großbritannien Smart Export Guarantee Teilnahme von Steckersets je nach Versorger

Die Details zu Anmeldung und Grenzen stehen auf unseren Seiten zu den Länderregeln, etwa für Deutschland.

Warum Balkonkraftwerke in Deutschland meist leer ausgehen

Für reguläre PV-Anlagen regelt das Erneuerbare-Energien-Gesetz die Einspeisevergütung. Steckersolargeräte werden in der Praxis fast immer ohne Vergütung betrieben: Der Aufwand für Messung und Abrechnung stünde bei wenigen hundert eingespeisten Kilowattstunden im Jahr in keinem Verhältnis zum Betrag. Der Überschuss fließt unentgeltlich ins Netz. Das ist kein Nachteil, solange Sie die Anlage auf Eigenverbrauch auslegen.

Typische Verbraucher, die sich verschieben lassen

Nicht jedes Gerät eignet sich, um Solarstrom mitzunehmen. Gut verschieben lassen sich Geräte mit Startzeitvorwahl oder solche, deren Laufzeit flexibel ist:

Gerät Verschiebbar? Hinweis
Waschmaschine, Spülmaschine gut Startzeitvorwahl auf die Mittagsstunden
Wäschetrockner gut hohe Leistung, eher nur bei voller Sonne
Akkus von E-Bike, Werkzeug, Laptop gut tagsüber laden statt nachts
Kühlschrank, Router nein gehören zur Grundlast
Herd, Wasserkocher kaum laufen, wenn gekocht wird

Ein 800-W-Balkonkraftwerk deckt große Verbraucher selten vollständig. Es senkt aber den Netzbezug, solange das Gerät läuft. Wer zwei große Geräte nacheinander statt gleichzeitig startet, holt deutlich mehr aus der Anlage heraus.

Wann Einspeisen trotzdem in Ordnung ist

Einspeisung ist kein Fehler. An einem sonnigen Wochenende, an dem niemand zu Hause ist, lässt sich Überschuss nicht vermeiden, und das Netz nimmt ihn auf. Es geht nicht darum, Einspeisung um jeden Preis zu verhindern, sondern die Anlage so zu wählen und zu nutzen, dass der größte Teil im eigenen Haushalt landet.

Wer Einspeisung ganz vermeiden will oder muss, etwa wegen einer Vorgabe im Ausland, nutzt einen Lesekopf am Zähler, der den Wechselrichter drosselt. Wie das geht, steht unter Nulleinspeisung mit Smart-Meter-Lesekopf.

So gehen Sie vor

  1. Grundlast nachts am Zähler oder mit einem Messgerät ermitteln.
  2. Anlagengröße grob am Tagesverbrauch ausrichten.
  3. Ersparnis mit der Formel oder im Rechner berechnen.
  4. Einspeisevergütung, falls überhaupt, nur als Zugabe einplanen.

Mehr zu Tarifen und Eigenverbrauch im Bereich Stromtarife.

Häufige Fragen

Bekomme ich für mein Balkonkraftwerk eine Einspeisevergütung?

In der Praxis meist nicht. Steckersolargeräte werden in der Regel ohne Vergütung betrieben, der Überschuss fließt unentgeltlich ins Netz. Der Nutzen entsteht über den eigenen Verbrauch.

Wie finde ich meine Grundlast heraus?

Lesen Sie nachts, wenn keine großen Geräte laufen, den Zähler im Abstand von einer Stunde ab, oder nutzen Sie ein Messgerät an der Steckdose bzw. die Anzeige eines Smart Meters. Die Leistung in diesen Stunden ist Ihre Grundlast.

Wie erhöhe ich den Eigenverbrauch?

Wasch- und Spülmaschine in sonnigen Stunden laufen lassen, Zeitschaltuhren oder smarte Steckdosen nutzen, die Anlagengröße an die Grundlast anpassen oder einen Speicher ergänzen.

Ist Einspeisen jemals besser?

Nur dort, wo die Vergütung nahe am Bezugspreis liegt, etwa bei Saldierungsmodellen. Diese laufen in mehreren Ländern aus, in den Niederlanden zum Beispiel Anfang 2027.