Plug-in-Solar in Großbritannien und Irland: Regeln 2026
Seit 27. August 2026 ist Plug-in-Solar in Großbritannien erlaubt. Was SI 2026/848, die G98-Meldung und BS 7671 regeln und wie es in Irland aussieht.
LänderregelnVeröffentlicht
Großbritannien hat das Balkonkraftwerk 2026 zugelassen: Seit dem 27. August 2026 dürfen fertige Sets mit höchstens 800 VA Ausgangsleistung an eine normale 13-A-Steckdose, sofern der regionale Netzbetreiber binnen 28 Tagen informiert wird. Irland ist noch nicht so weit. Stand: Oktober 2026.
Steckbrief Großbritannien
| Punkt | Regel | Grundlage |
|---|---|---|
| Erlaubt seit | 27. August 2026 | SI 2026/848 |
| Wechselstromleistung | max. 800 VA | SI 2026/848 |
| Stecker | angespritzter BS-1363-Stecker, 13-A-Steckdose | SI 2026/848, Herstellerunterlagen |
| Meldung | G98 an den Verteilnetzbetreiber (DNO), binnen 28 Tagen | DNO |
| Errichtungsnorm | BS 7671, Amendment 4 (April 2026) | IET |
| Vergütung | je nach Versorger und Voraussetzungen | Ofgem (SEG) |
| Stand | Oktober 2026 |
Warum das für den deutschsprachigen Raum interessant ist
Während in Deutschland längst Millionen Steckersolargeräte am Netz hängen, galt in Großbritannien bis 2026: Ein Stromerzeuger an der Steckdose passt nicht zur britischen Installationspraxis mit Ringleitungen und 13-A-Steckern. Wer Solarstrom wollte, brauchte eine fest angeschlossene Anlage vom Elektriker.
Zwei Schritte haben das geändert. Im April 2026 erschien Amendment 4 zur BS 7671, der britischen Errichtungsnorm des IET, mit einer Kategorie für sehr kleine Erzeugungsanlagen. Ab dem 27. August 2026 machte dann die Verordnung SI 2026/848 den Anschluss an der Steckdose rechtlich zulässig. Den Verordnungstext finden Sie auf legislation.gov.uk.
Die 800-VA-Grenze entspricht damit der deutschen Regel. Was sie technisch bedeutet und warum mehr Modulleistung trotzdem sinnvoll sein kann, erklärt der Ratgeber zur 800-Watt-Grenze.
Die G98-Meldung
Statt eines zentralen Registers wie dem deutschen Marktstammdatenregister läuft die Information in Großbritannien über den Distribution Network Operator (DNO), den regionalen Verteilnetzbetreiber. Für kleine Anlagen gilt das Verfahren G98, „connect and notify“: erst anschließen, dann innerhalb von 28 Tagen melden. Abgefragt werden Adresse, Gerät und Nennleistung. Die Meldung ist kostenlos; viele Händler übernehmen sie für ihre Kundschaft.
Wichtig: Der DNO ist nicht der Stromversorger, bei dem man seinen Tarif hat, sondern das Unternehmen, das die Leitungen in der Region betreibt.
Mietrecht und Leasehold
Die neuen Regeln betreffen nur die elektrische Seite. Mietverträge, Leasehold-Verträge bei Eigentumswohnungen, Hausordnungen und Denkmalschutz bleiben unberührt. Einen gesetzlichen Anspruch auf Zustimmung wie in Deutschland seit Oktober 2024 gibt es in Großbritannien nach unserem Kenntnisstand nicht. Vor der Montage sollte also eine schriftliche Erlaubnis von Vermieter oder Freeholder vorliegen. Hintergrund zum deutschen Recht steht im Ratgeber Balkonkraftwerk als Mieter und in der WEG.
Vergütung und Tarife
Größere britische Versorger müssen einen Einspeisetarif nach der Smart Export Guarantee (SEG) anbieten. Die Bedingungen wurden aber für klassische, zertifizierte Anlagen geschrieben. Ob und wie Steckersets darunter fallen, regeln die Versorger unterschiedlich. Wie in Deutschland gilt: Der Wert entsteht vor allem über den Eigenverbrauch, siehe Einspeisung oder Eigenverbrauch. Zeitvariable Tarife sind in Großbritannien weiter verbreitet als hierzulande; mehr dazu unter dynamische Stromtarife.
Nordirland
Die Verordnung SI 2026/848 gilt für Großbritannien. Nordirland hat einen eigenen Netzbetreiber und eigene Regeln. Bis dort eine eigene Regel erscheint, sollten Sie eine Solaranlage wie eine normale Kleinerzeugungsanlage behandeln und vorab beim Netzbetreiber nachfragen.
Republik Irland
In Irland gibt es Stand Oktober 2026 keine eigene Regel für Stecker-Solar. Kleine Erzeugungsanlagen werden mit dem Formular NC6 bei ESB Networks gemeldet, und Arbeiten an der Elektroinstallation darf nur ein registrierter Elektrobetrieb ausführen. Für eingespeisten Strom zahlen Versorger über die Clean Export Guarantee.
Eine kleine PV-Anlage samt Vergütung ist in Irland also möglich, nur eben nicht als Set für die Steckdose. Sobald sich das ändert, aktualisieren wir diese Seite.
Was deutsche Hersteller und Käufer wissen sollten
Für Anbieter aus dem deutschsprachigen Raum ist der britische Markt neu und groß. Für Käuferinnen und Käufer, die zwischen beiden Ländern pendeln oder ein Ferienhaus in Großbritannien besitzen, gilt aber: Ein Set für den deutschen Markt ist kein Set für den britischen. Unterschiedlich sind Stecker, Nachweise und das Meldeverfahren. Wer in beiden Ländern eine Anlage betreiben möchte, braucht zwei passende Geräte und zwei getrennte Anmeldungen, in Deutschland im Marktstammdatenregister, in Großbritannien beim DNO.
Checkliste für Großbritannien
- Set für den britischen Markt mit Hinweis auf die Regeln von 2026 wählen.
- Wechselstromleistung von höchstens 800 VA prüfen.
- Keine Adapter, keine umgebauten Stecker.
- G98-Meldung binnen 28 Tagen abgeben oder vom Händler bestätigen lassen.
- Montage mit Vermieter oder Freeholder klären.
Zum Vergleich mit dem Kontinent: Deutschland, Frankreich und Benelux und alle Länderregeln.
Häufige Fragen
Seit wann ist Plug-in-Solar in Großbritannien erlaubt?
Seit dem 27. August 2026, als die Verordnung SI 2026/848 in Kraft trat. Sie gilt für Großbritannien, also England, Schottland und Wales, nicht automatisch für Nordirland.
Wie unterscheidet sich die britische Regel von der deutschen?
Die Grenze von 800 VA ist gleich. In Großbritannien wird statt eines Registers der regionale Netzbetreiber über das G98-Verfahren informiert, und die Sets kommen mit dem britischen BS-1363-Stecker.
Kann ich ein in Deutschland gekauftes Set in England nutzen?
Davon raten wir ab. Die britischen Regeln setzen auf fertige Sets mit britischem Stecker und Nachweisen für den britischen Markt. Ein Adapter oder umgebauter Stecker gehört nicht dazu.
Ist Plug-in-Solar in Irland erlaubt?
Eine eigene Regel für Stecker-Solar gibt es dort bisher nicht. Kleine PV-Anlagen sind möglich, werden aber mit dem Formular NC6 bei ESB Networks gemeldet und von einem registrierten Elektrobetrieb installiert.
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